"Mit allen Kreaturen bin ich in schönster Seelenharmonie Wir sind verwandt, ich fühle es innig, und eben darum liebe ich sie."
Wilhelm Busch
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Tierschutz am Ferienort

"Unmenschen gibt es, aber keine Untiere."
Karl Julius Weber


Ferienzeit ist die schönste Zeit im Jahr. Sonne, Strand, Meer und Dolce far niente, kulturelle Höhepunkte und Sehenswürdigkeiten, Erholung pur, Ausschalten, Abschalten. Wer möchte diese Zeit nicht einfach geniessen, ohne sich mit anstrengenden Gedanken zu beschäftigen, ohne sich mit Problemen anderer herumschlagen zu müssen.

Aber gerade in dieser Zeit wird mancher Tierfreund erst recht, wenn auch unfreiwillig, mit dem Thema Tierschutz konfrontiert. In vielen Ländern gehört Tierelend zum Alltag und wird von der lokalen Bevölkerung oft kaum wahrgenommen, eher verursacht.

23 An Stränden, auf Strassen, in der Hotelanlage - überall finden sich unzählige streunende Hunde und Katzen, die darauf hoffen, etwas Essbares zu finden oder ein paar Streicheleinheiten zu ergattern. Auf Märkten werden bei sengender Hitze verschiedenste Tiere feilgeboten, die oft bereits krank und abgemagert in ihren allzu kleinen Schachteln und Käfigen auf einen Besitzer hoffen. Zur Unterhaltung werden auf Strassen und in Hotels Programme mit Tieren angepriesen. Fotos mit Elefanten, Schlangen und Affen, Ausritte am Strand, Tierwettkämpfe und andere Angebote wollen den Touristen Abwechslung und Unterhaltung bieten und ihnen das Geld aus der Tasche locken. Auch die Speisekarten lassen manchen Tierfreund leer schlucken, wenn er die vielen exotischen und zum Teil auch geschützten Tierarten auf alle Arten zubereitet bestellen kann.

Was manch einer in seinem Heimatland als stossend empfindet, wird oft in den Ferien gar nicht wahrgenommen oder ignoriert. So wird in vielen Ländern geschächtetes Fleisch serviert und genau von jenen Touristen gegessen, die Zuhause noch über eine allfällige Aufhebung des Schächtverbotes gewettert haben. Ferner wird in fernen Ländern auch oft eine exotische Delikatesse einfach nur probiert, ohne zu realisieren, dass auch dies die Nachfrage anheizt.

Einem aufmerksamen Tierfreund entgehen all diese Tierschutzwidrigkeiten nicht und er möchte etwas dagegen unternehmen. Deshalb hier einige Verhaltenstipps für Tierfreunde und solche, die es werden möchten:

Unterstützen Sie lokale Tierschutzorganisationen:
Erkundigen Sie sich vor oder während Ihren Ferien, ob es an Ihrem Ferienort lokale Tierschutzorganisationen gibt. Die Website der World Society for the Protection of Animals (WSPA) führt eine Liste mit Tierschutzorganisationen weltweit. Auch die lokale Reisevertretung kann Ihnen hierzu vielleicht wertvolle Hinweise geben. Finden Sie heraus, was am Dringendsten benötigt wird. Mit Ihrer Spende helfen Sie so am effektivsten vor Ort um gegen das Tierelend am Urlaubsort anzukämpfen.

Geben Sie Ihren Unmut bekannt:
Reklamieren Sie bei der Hotel- oder Restaurantleitung, bei Ihrem Reiseveranstalter und bei der entsprechenden Botschaft, wenn Sie Zeuge werden, wie Tiere schlecht behandelt werden. Melden Sie Tierquälerei den örtlichen Behörden oder der Polizei. Dokumentieren Sie diese Begebenheiten mit Fotos und notieren Sie Ort, Datum und Sachverhalt. Alle Urlaubsländer sind auf Touristen angewiesen und achten auf ihr Image nach aussen. Je mehr Menschen Tierleid anprangern, desto eher ändert sich etwas. Denken Sie nie, dass Sie allein nichts bewirken können. Reagieren Sie und leisten Sie Ihren Beitrag!

Kastration statt Fütterung:
Katze_grau Fütterungsaktionen sind zwar gut gemeint und erfreuen für einen kurzen Moment manch Katzen- und Hundeherz, tragen aber leider auch zu einer schnelleren Vermehrung bei. Unzählige Strassenkatzen und Strassenhunde werden nach der Touristensaison entsorgt, erschlagen, vergiftet, erschossen. Kümmern Sie sich um die Kastration der Tiere an Ihrem Ferienort. So leisten Sie den grössten Beitrag zum Tierschutz. Kastrierte Tiere dürfen auch gefüttert werden. Sprechen Sie mit lokalen Tierschutzorganisationen oder der Hotelleitung. Oft werden kastrierte Katzen gekennzeichnet (z.B. mit dem Coupieren der Ohrspitze während der Narkose), so dass sie eine echte Überlebenschance erhalten. Vielleicht ist die Hotelleitung im Anschluss sogar bereit, die nun kastrierten Tiere auf dem Areal zu dulden und zu versorgen.

Keine Tiere oder Tierteile als Souvenir
Tiere oder Teile von Tieren werden den Touristen allzu gerne als Souvenirs angepriesen. Alligatorenkopf Schlüsselanhänger mit Babyalligatorenköpfen, aufgespiesste Schmetterlinge, präparierte Schlangen lassen das Tierleid rasch erkennen. Viele Souvenirs sind aber nicht auf den ersten Blick als tierische Produkte erkennbar. Armbänder aus Elefantenhaaren, Ohrringe aus Schildkrötenpanzer, Bilder aus Muscheln uvm. werden angeboten und erfreuen sich immer noch grosser Beliebtheit. "Medikamente" und "Potenzmittel" tierischer Herkunft lassen manchen Touristen glauben, er sei nach der Einnahme gesünder oder potenter. Hände weg von allen Dingen tierischer Herkunft. In aller Regel haben sie grosses Tierleid verursacht und der Verkauf bestätigt dem Händler, dass er dringend Nachschub braucht - das Leid geht weiter und weiter. Ausserdem besteht das Risiko, dass die Einfuhr des Souvenir verboten ist und die Ware am Zoll beschlagnahmt wird. Machen Sie Fotos von der Flora und Fauna in den Ferien und erfreuen Sie sich daran.

Keine Tiere zur Unterhaltung:
Kulturelles gehört für manchen Touristen einfach zum Feriengenuss. Viele Sitten und Gebräuche verursachen Tierleid und gehören boykottiert, weil die Tiere unnötigen Leiden ausgesetzt werden und kaum je artgerecht gehalten werden. Manche Veranstaltungen führen gar zum Tod des Tieres.

Boykottieren soll man insbesondere

Stierkampf trauriges Ende - Stierkämpfe, Bärenkämpfe, Hundekämpfe und andere Kämpfe zwischen Tieren oder 
  zwischen Mensch und Tier
- Zirkusvorstellungen oder Shows mit Wildtieren
- Pferde- und Hunderennen
- Tanzbärendarstellungen
- Foto-Sessions mit Tieren

Tiere auf dem Markt:
Auf den lokalen Märkten ist das Angebot an Tieren in der Regel sehr gross. Ob Hundewelpen, P1000651 Kätzchen, Vögel, Kaninchen oder Schildkröten - fast alles wird feilgeboten. Sehr oft sind die Tiere krank, sind in viel zu kleinen Käfigen gehalten, der Witterung schutzlos ausgesetzt und leiden offensichtlich vor sich hin. Ein Tier aus so einer misslichen Lage zu befreien, bedeutet viel für das einzelne Tier. Leider kurbeln Sie damit auch den Umsatz des Verkäufers an, der sich erst recht bestätigt fühlt in seinem Tun und möglichst rasch für Nachschub sorgt. Anstelle eines Kaufes, wenden Sie sich an die örtlichen Behörden oder Tierschutzorganisationen. In vielen Ländern gibt es durchaus Tierschutzgesetze, es mangelt einfach an deren Durchsetzung. Beachten Sie: Der Käufer bestimmt immer das Angebot, deshalb Hände weg von einem Kauf. Machen Sie Ihrem Unmut aber Luft und machen Sie klar, dass Sie hier bestimmt nie kaufen, gerade wegen der schlechten Haltung!

Achtung beim Tierimport:
Hund Natürlich ist die Versuchung gross eines der notleidenden Tiere nach Hause zu nehmen. Bevor Sie einen solchen Schritt wagen, müssen Sie aber sicher sein, dass das Tier auch einen artgerechten Lebensplatz in Ihrem Heimatland erhält. Tiere einfach importieren, damit sie dann an Ihrem Heimatort im Tierheim landen, bringt nichts. Ausserdem müssen Sie sicher sein, dass das Tier keine Krankheiten mitbringt, die allenfalls auf andere Tiere oder den Menschen übertragen werden können. Und schliesslich gibt es auch noch diverse Vorschriften zu beachten, sei es bezüglich Transport, Zoll etc. Erkundigen Sie sich beim Bundesamt für Veterinärswesen über die neusten Bestimmungen.

Kutschenfahrten und Ausritte meiden:
Kutschenfahrt So romantisch die Kutschenfahrt durch die Altstadt oder der Ausritt am Strand ist, meistens gehen solche Vergnügen zu Lasten der Tiere. Medizinische Versorgung, Hufpflege, richtige Ausrüstung, genügend Futter und Wasser, Ruhezeiten - oft fehlt es an allem. Hinzu kommt, dass wenn auch oft ohne böse Absicht, viele Touristen keine Ahnung vom Reiten haben, sich schwere Menschen auf leichte und geschwächte Tiere setzen, unkontrolliert an den Zügeln ziehen und damit die empfindlichen Mäuler der Tiere verletzen. Wenn Sie keine Ahnung haben von diesen Tieren, lassen Sie den Ausritt oder die Kutschfahrt sein. Wenn Sie Ahnung haben von den Tieren, kontrollieren Sie vorher die Verfassung der Tiere und das Material. Gibt es etwas zu beanstanden, reklamieren und sagen Sie, dass Sie deshalb auf den Ausritt oder die Fahrt verzichten. Ist wirklich alles in Ordnung haben Sie glücklicherweise jemanden erwischt, dem sein Tier offenbar wirklich ein Partner ist und dessen Unterstützung sich lohnt.

Halten Sie die Umwelt rein:
Umweltschutz heisst Tierschutz. Touristen sind für Flora und Fauna oft eine riesige Belastung, sowohl an Land wie auch im Wasser. Wenn Sie sich an folgende Empfehlungen halten, hinterlassen Sie am wenigsten negative Spuren an Ihrer Feriendestination:

- Erkundigen Sie sich nach den Müllentsorgungsmöglichkeiten. Gibt es keine, wie z.B. auf 
  verschiedenen Inselstaaten, nehmen Sie Ihren persönlichen Müll wieder mit nach Hause,
  insbesondere Batterien, Kosmetikflaschen etc. Ihr Müll landet sonst im Meer und begegnet Ihnen
  vielleicht beim nächsten Tauchgang wieder.

- Berühren Sie weder Fische noch Korallen. Korallen sind lebendig und brauchen viele Jahre um
  zu gedeihen; eine auch unabsichtliche Berührung reicht oft bereits für deren Absterben aus. In
  der Unterwasserwelt gelten Sie als der Eindringling. Schauen Sie und bewundern Sie, aber
  hinterlassen Sie keine nachhaltigen Spuren!

- Zigarettenkippen gehören NIE auf den Boden oder ins Wasser. Ein Zigarettenfilter benötigt 200
  Jahre um von der Natur abgebaut zu werden. Bis dahin ist er längst von neugierigen Tieren
  gefressen worden, die daran elendiglich zu Grunde gehen.

- Sparen Sie auch in den Ferien Energie und benützen Sie Wasser, Licht und Klimaanlage nur,
  wenn Sie sie wirklich brauchen.

- Achten Sie darauf, was Sie essen. Das Frühstücksei stammt sehr oft aus der Legebatteriehaltung,
  die Sie Zuhause verurteilen würden. Das Fleisch ist vermutlich ebenfalls aus einer
  Massentierhaltung. Fragen Sie nach Bio-Produkten. Auch hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein!

Seien Sie Vorbild:
Verhalten Sie sich am Ferienort so, wie Sie es sich von den Touristen in Ihrem Heimatland wünschen, und machen Sie auch andere auf Dinge aufmerksam, die den Tieren oder der Natur schaden könnten.

P1100106    P1100181    P1100113    P1100187   P1100122   Kranich    Mangrove

 
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